Wir nutzen den Sommer….

… und die ruhigere Zeit zum Aufräumen – Sommerputz – sozusagen. In den 34 Jahren des Bestehens der KIBIS hat sich viel angesammelt. Natürlich ist zwischenzeitlich auch immer Etliches entsorgt worden, z.B. Daten von ehemals Selbsthilfeaktiven oder Ordner von aufgelösten Gruppen. Aber im „normalen Alltagsstress“ fällt das Sortieren von Papierbergen und Aussortieren von Aktenordnern manchmal schwer. Und der Server muss auch dringend „sortiert“ werden. Der digitale Bereich ist sogar problematischer, weil er für uns im analogen Raum keinen Platz wegnimmt. Im Server-Raum des Paritätischen Hannover ist alles gelagert – für uns eine entfernte Wahrnehmung. Der aufmerksame Blick beim Öffnen oder Abspeichern von Dateien lässt natürlich sichtbar werden, was da alles so rumliegt. Aber die Notwendigkeit des Beigehens wird nicht so dringend erlebt, wie bei den raumgreifenden und staubsammelnden Aktenordnern.

Die Herausforderung beim Aufräumen bzw. „Ausmisten“ besteht ja immer darin, sich für eine Trennung zu entscheiden: Trennung von Geschichte(n), Erinnerungen, Bildern, Geschaffenem usw. – und Trennung fällt natürlich selten leicht. Damit verbunden ist auch eine Entscheidung für die Zukunft, die nur in der Vorstellung existiert. Die Mitarbeiter*innen, die da sind und sich von Dingen trennen, entscheiden für zukünftige Mitarbeiter*innen, was für sie relevant sein könnte. Also ist das Aufräumen durchaus eine verantwortungsvolle Aufgabe. Fragen wie:

ist es für zukünftige Mitarbeiter*innen wichtig zu wissen

  •  dass „früher“ 40 bis 60 Aktive aus Selbsthilfegruppen an den Gesamttreffen teilgenommen und intensiv diskutiert haben?
  • dass es Ende der 1980iger ein beharrliches Bemühen um ein Selbsthilfezentrum in Hannover gab?
  • dass einzelne schon seit über 30 Jahren im Selbsthilfebereich aktiv sind und sich immer noch ein Selbsthilfezentrum wünschen?
  • dass es auf Landesebene einen Arbeitskreis Gesundheit gab, aus dem sehr viele Aktivitäten hervorgegangen sind, die heute noch nachwirken (der Begriff „Nachhaltigkeit“ war noch nicht in aller Munde)?
  • dass viele Themen von Selbsthilfegruppen schon Menschen vor 30 Jahren zusammengebracht haben?

und viele weitere müssen beantwortet und entschieden werde.

Auch für alle Kolleg*innen, die jetzt da sind ist das „Ausmisten“ eine Zeitreise und ein Eintauchen in die Selbsthilfegeschichte in der Region Hannover (früher Landeshauptstadt und Landkreis). Für die Zukunftsgestaltung ist es grundsätzlich wichtig, Erfahrungen aus der Vergangenheit mit zu nehmen, zu bewerten und in die Zukunftsentwicklung einfließen zu lassen.

Das ungeliebte Aufräumen bekommt eine tragende Bedeutung, eine Aufwertung, und wird damit vielleicht richtig spannend ….

RH

Telefon – Video – draußen und drinnen: die KIBIS probiert alles aus

Von den Gruppen hören wir, dass sie unterschiedliche Formate für ihre Treffen ausprobieren. Wir möchten die Gruppen dabei unterstützen und probieren kräftig mit:

Vor ein paar Tagen haben wir ein Gesamttreffen als Telefonkonferenz organisiert. Ziel dabei war, die Gruppen einzuladen, dieses Format zu testen und sich auszutauschen über das, was andere Gruppen tun. Und die Teilnehmenden konnten sich einfühlen, wie und ob das geht: über das Telefon in größerer Runde vertrauensvoll miteinander ins Gespräch zu kommen. Denn eine dienstliche Telefonkonferenz mit Tagesordnungspunkten und Chefin, die durch das Gespräch führt, mit Protokollant und Zeitvorgabe ist etwas anderes als der Austausch in Selbsthilfegruppen.

Unser Fazit: geht – und zwar sehr gut! Die Moderation aber auch die Teilnahme sind vielleicht etwas ungewohnt. Ansonsten ist alles wie in realen Treffen auch: Es ist sinnvoll, sich über Gesprächsregeln zu verständigen. Es muss sich jemand zuständig fühlen und den Überblick behalten. Darüber hinaus ist jeder und jede für sich und seine oder ihre Beiträge verantwortlich und trägt mit dem achtsamen Umgang mit dem Wortbeitrag zum Gelingen des Austausches bei.

Als nächstes planen wir eine Videokonferenz mit den gleichen Zielen: Technik testen, einfühlen, unverbindlich ausprobieren. Die Kolleginnen bereiten dies schon vor und laden dazu demnächst ein. Viele aus dem Team haben inzwischen an unterschiedlichen Videoformaten teilgenommen: große Konferenzen mit vorgefertigten Wortbeiträgen, kleine Austauschtreffen mit spontanen Wortmeldungen und fast alles dazwischen. Hier können wir berichten, dass mit jeder Teilnahme die Vertrautheit mit dem Format wächst. Was sich zunächst ungewohnt und hohl anfühlt, wird von mal zu mal angenehmer. Die Bedienungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Tools, die für solche Konferenzen auf dem Markt sind, ähneln einander sehr. Und oft werden in den Konferenzen die verschiedenen Möglichkeiten zu Beginn gemeinsam erprobt: Da können alle mal ausprobieren, wie für einen Wortbeitrag die Hand zu heben ist oder eine Nachricht im Chat hinterlassen werden kann. Das Ausprobieren hilft, sich einzugewöhnen und die Eingewöhnung führt dazu, die Extras schätzen zu lernen. Später wird das sogar Routine.

Und noch ein neues Format beschäftig uns: das Outdoor-Treffen: den neuen Gruppen, die schon so lange auf einen Start warten, geben wir die Gelegenheit, sich auf unserem Innenhof zu treffen. Dies ist einerseits eine gute Sache, denn die Raumsuche ist ja für bestehende Gruppen schon schwer genug. Und wenn dann mehr als 10 Personen zusammenkommen wollen, ist ein Treffen in Innenräumen schwer hinzubekommen. Im Verlauf stellen wir fest, dass es bei Regen selbst jetzt im Sommer unterm Dach ganz schön duster wird. Und Waschbeton an Putzfassade sehen nicht so sehr gemütlich aus. Dafür sind unsere neuen Stühle für den Außenbereich umso gemütlicher. Robust, gut zu stapeln und schnell aufzubauen sind sie außerdem. Und ein Austausch von Angesicht zu Angesicht, mit Blick auf Gestik und Mimik ist wertvoll. Ein ungeschmückter Raum im Freizeitheim ist vielleicht auch nicht heimeliger als unser Parkplatz.

Auch Indoortreffen haben aufgrund der fehlenden Raumgrößen in ganz kleinem Rahmen schon bei uns im Konferenzraum stattgefunden. Namenslisten, Desinfektion, Abstandsregeln und Dauerlüftung selbstverständlich inbegriffen.

Egal ob drinnen oder draußen, per Video oder Telefon – jedes Format hat etwas für sich. Und in jedem Format gibt es Mängel: Hörgeschädigte können nicht telefonieren. Hochrisikopersonen sollten Treffen in Innenräumen meiden. Manche Ältere haben keine Technik für die Videokonferenz. Und draußen ist es kalt, nass oder zu laut. Es bleibt spannend, wie es weitergeht. Und wir kommen nach und nach zu dem Schluss, dass es vielleicht nicht die eine sinnvolle Lösung gibt, sondern es sich lohnt, sich die Vielfalt der Möglichkeiten allesamt anzueignen und zu nutzen!

Nie

Die Lockerungen sind lang erhofft und viel zu schnell

Wieso muss das alles immer so schnell gehen?

Der Lockdown mit seinen schnellen radikalen Maßnahmen hat mich, hat wahrscheinlich uns alle sehr überrascht. Dann folgten lange Wochen des Aushaltens und der bangen Frage, ob das denn alles so richtig war und ist. Auch wenn ich keinen Zweifel hatte, dass dieses Virus eine große Bedrohung darstellt, war dieses Aushalten eine Herausforderung für mich.

Beruhigend dabei fand ich die Erkenntnis einiger Studien, dass alle Maßnahmen zusammengenommen uns bis hier her vor der großen Katastrophe bewahrt haben. Das Gesundheitssystem hat gehalten – wenn auch viele Beteiligte unter großen Belastungen arbeiten mussten und dies auch immernoch tun.

Die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen auf Heimbewohner und ihre Angehörigen, auf Kinder ohne die sozialen Kontakte aus Schule und KiTa, auf Eltern in der Doppelbelastung und auf die vielen Menschen, deren Existenzgrundlage bedroht ist, sind an dieser Stelle noch nicht absehbar.

Aus vielen Selbsthilfegruppen haben wir die Rückmeldung erhalten, dass die persönlichen Treffen mit allen Alternativen, die gesucht und gefunden wurden, nur schwer ersetzbar waren. Nun sind die Treffen wieder offiziell erlaubt und viele Gruppen sind schon wieder zusammengetroffen oder werden dies sehr bald tun.

Die Lockerungen waren also lang erhofft.

Trotzdem geht mir die Schnelligkeit der Lockerungen und die große Bandbreite dessen, was wieder möglich ist, viel zu schnell. Wenn denn die Maßnahmen so wirkungsvoll waren – wie können wir verhindern, dass nun alles wieder von vorne losgeht?

Ja, wir sind sensibilisiert. Die Maskenpflicht gilt an vielen Stellen noch. An die Abstandsregeln haben wir uns gewöhnt. Aber ich habe auch etwas über exponentielles Wachstum gelernt: es fängt schleichend und unerkannt an – und wenn es dann sichtbar wird, ist es in seiner Wucht nicht oder nur noch mit radikalen Maßnahmen aufzuhalten.

Ich hoffe, dass die Vorsicht und Vernunft im Umgang mit der immernoch großen Gefahr in unserer Gesellschaft überwiegt. Dass die Notwendigkeit des Kontaktes miteinander uns nicht unvorsichtig werden lässt. Dass wir nicht nur überlegen, was wir wieder tun wollen, sondern auch, wie wir dies maßvoll und achtsam tun können. Dass wir miteinander in Beziehung bleiben und trotzdem oder gerade deswegen aufeinander aufpassen. Es ist viel möglich. Und es sind auch viele Vorsichtsmaßnahmen möglich. Lasst uns dranbleiben – miteinander und füreinander.

Nie

Startklar

Ein offenes Gespräch mit zur Hälfte verdeckten Gesichtern ist schwierig und für Menschen mit einer Hörschädigung zum Beispiel gar nicht möglich. Daher sind wir aktiv geworden und haben bei einem Hersteller in der Region zentral 1000 Visiere anfertigen lassen und an Selbsthilfegruppen verteilt. Die Nachfrage war groß und hat uns selbst überrascht und natürlich auch gefreut. Denn die neuen Visiere können zumindest eine kleine Erleichterung für die nun wieder erlaubten Gruppentreffen sein.

Für die 18 Selbsthilfegruppen, die zum Lockdown gerade in der Gründungsphase waren, geht es nun ebenfalls weiter. Die KIBIS startet auf dem überdachten Innenhof erste Treffen mit neuen Stühlen für den Außenbereich. Wir hoffen, dass sich Interessierte von dem Parkplatz-Flair nicht abschrecken lassen. Kleine Gruppen mit bis zu sechs Teilnehmer*innen können ihre Gründungen aber auch in den Innenräumen der KIBIS fortsetzen.

Bleibt zu hoffen, dass es nun auch bald für alle Selbsthilfegruppen in der Region Hannover Räumlichkeiten gibt, in denen die Treffen wieder stattfinden können. Denn das gestaltet sich bislang, nach Auskunft einiger Gruppen mit denen wir in dieser Woche Kontakt waren, noch schwierig.

HA

…es bewegt sich doch etwas!

Selbsthilfegruppen dürfen sich wieder treffen! Diese Erkenntnis ergibt sich nach sorgfältigem Studium der niedersächsischen Verordnung zu infektionsschützenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Nun wissen wir aus der Vergangenheit, dass diese Verordnung großen Interpretationsspielraum hat. Daher hat es uns sehr gefreut, dass der Fachbereich Gesundheit der Region Hannover unsere Interpretation der Verordnung ausdrücklich unterstützt. Und die besagt: Selbsthilfegruppen dürfen sich in der Region Hannover bei Beachtung grundlegender Hygienemaßnahmen wieder treffen!

Ob nun auch Vermieter*innen ihre Räume für die Gruppentreffen zur Verfügung stellen und was die Hygieneregeln mit den Teilnehmenden macht, das wird sich zeigen.

An Abstandsregeln haben wir uns ja inzwischen fast gewöhnt. Ob Gruppen mit dem Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken den Schutz der einzelnen erhöhen wollen, ob ein dauernder Durchzug zwecks ständiger Belüftung eher als erfrischend oder belastend empfunden wird, ob die Vermieter*innen für Desinfektionsmittel sorgen oder ob das den Gruppen überlassen bleibt? Nun gilt es, sich auszuprobieren.

Vielleicht ist es einigen Gruppen auch noch zu früh, zu unsicher, zu beängstigend. Es ist so schwer, das Infektionsrisiko abzuschätzen. Und so groß der Wunsch nach persönlichen Treffen auch ist – das Virus bleibt präsent und macht Sorge.

Wir haben in den vergangenen Wochen ganz unterschiedliche Rückmeldungen zu virtuellen, schriftlichen, telefonischen Treffen, zu Einzelkontakten oder zu Funkstille erhalten. Wir gehen davon aus, dass auch jetzt die Realität der Treffen so bunt werden wird, wie Selbsthilfe immer schon war. Und wir haben großes Vertrauen, dass die Selbsthilfegruppen kreative und tragfähige Lösungen für sich finden und dabei achtsam die Bedürfnisse aller kommunizieren, bedenken und in der Umsetzung beachten.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns berichten: Wie fühlt sich ein echtes Treffen mit Hygieneregeln an? Was behalten Sie bei, was wollen Sie verändern?

Nie

Buchtipp: Ich will doch bloß sterben, Papa

Leben mit einer schizophrenen Tochter

Ein Buch von Michael Schofield

‚Ich will doch bloß sterben, Papa‘ ist ein beeindruckendes Buch zum Thema Schizophrenie und Familie, das auf einer wahren Geschichte basiert. Als zweifache Mutter, von noch kleinen Kindern, war ich überwältigt von der Stärke und dem Zusammenhalt der Eltern in diesem Buch.

Nach langem Hin und Her und langer Ungewissheit bei der 4-jährigen Jani, wird „endlich“ die Diagnose Schizophrenie gestellt.

Jeden Tag geben die Eltern 200 Prozent für Jani, sind immer da, versuchen ruhig zu bleiben, ein ständiger Kampf zwischen Janis Welt und der Realität. Jani hat viele verschiedene innere Anteile, die erst als imaginäre Freunde abgetan wurden. Aber sie sind mehr als das und beeinflussen ihre Handlungen – ob sie sie nun zum Tanzen auffordern oder zur Gewaltausübung…

Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, wie lange ich das Verhalten von Jani ausgehalten hätte? Wie hätte ich reagiert?

Aus meiner Sicht eine klare Leseempfehlung!

ea

Für uns ist das alles sehr unverständlich …..

In Fitnessstudios dürfen Sporttreibende wieder intensiv Schweiß und Atemluft verteilen, in Cafés und Restaurants darf Kuchen und Braten geschlemmt werden und ab dem 8. Juni sind die Sporthallen für Bewegungshungrige wieder geöffnet.

Die Teilnehmenden aus Selbsthilfegruppen sind jedoch komplett vergessen worden oder werden gedanklich einfach dem Freizeitvergnügen zugeordnet. Seit Ende April versuchen wir die Aufmerksamkeit der Entscheidungsträger*innen oder Einflussnehmer*innen zu gewinnen – bis jetzt ohne konkretes Ergebnis. Die Landesebene verweist immer wieder auf die Verordnung vom 11.05., die schon sehr unklar formuliert ist und bei der genauen Nachfrage nur Gruppenangebote in Beratungsstellen zulässt – oder was auch immer. Auf lokaler Ebene haben wir bisher keine Antwort vom Fachbereich Gesundheit oder von der Stadt Hannover erhalten. Gleichzeitig trudeln bei uns E-Mails von Selbsthilfegruppen ein, die eigenständig Anfragen gestellt und einen bunten Strauß von Antworten bekommen haben. Doch am Ende leider immer sehr unkonkret.

Was würden wir uns wünschen …..

Wir haben mit dem heutigen Stand 245 Selbsthilfegruppen aus der Region Hannover angerufen und nach dem Befinden und den Kontaktformen gefragt. Etliche Gruppen greifen auf Telefon- oder Videokonferenzen zurück (siehe andere Beiträge in diesem Blog), aber den meisten fehlt das Zusammenkommen und der direkte Austausch. Schon vor Wochen haben uns insbesondere die Gruppen zum Themenbereich Sucht oder psychischen Problemlagen ihre Nöte geschildert und uns gebeten, für sie aktiv zu werden. Inzwischen erreichen uns täglich Anrufe von allen möglichen Gruppen und die Ungeduld und auch das Unverständnis wächst von Tag zu Tag.

In Selbsthilfegruppen kommen Menschen zusammen, die sich mit ihrer Erkrankung oder ihrem Problem auseinandersetzen, sich umfangreich informieren und ihr Leben in die Hand nehmen. So haben sich auch diese Menschen schon viele Gedanken gemacht, unter welchen Bedingungen sie sich wieder treffen können bzw. wollen. Schließlich gehören viele zu den Risikopersonen und darüber gibt es ein sehr hohes Bewusstsein. Selbstverständlich gibt es auch eine hohe Bereitschaft zum Abstandhalten, zum Namenslistenführen, zum Lüften und gegebenenfalls auch zum Händedesinfizieren. Die KIBIS versucht zurzeit zentral Visiere für alle, die Bedarf haben, zu beschaffen. Es liegen schon rund 500 Bestellungen vor.

Worauf wir sehr ungeduldig warten …..

Jetzt fehlt einfach das offizielle OK, welches aber auch unverzichtbar ist. Schließlich treffen sich Selbsthilfegruppen in öffentlichen Räumen, wie Freizeitheimen, Kirchengemeinden oder anderen normalerweise frei zugänglichen Räumen. Diese können natürlich nur mit der offiziellen Erlaubnis genutzt werden. Selbst für Treffen in der freien Natur würde diese Erlaubnis erforderlich sein, weil die Teilnehmenden aus deutlich mehr als zwei Haushalten kommen.


Wir können nur immer wieder an Entscheider*innen appellieren, sich die Situation von Teilnehmenden aus Selbsthilfegruppen bewusst zu machen, insbesondere im Hinblick auf die Folgen der ausbleibenden Treffen und die damit verbundene eventuell eintretende Destabilisierung für Einzelne. Rückfälle von z.B. Suchtkranken können am Ende hohe Kosten für das Gesundheits- und Sozialsystem verursachen und ziehen enorme Schwierigkeiten in Lebensläufen nach sich.

Also: BITTE MEHR AUFMERKSAMKEIT FÜR DIE SELBSTHILFE!

RH

Zu verschenken…

Meine Kollegin berichtete davon, dass ihr aufgefallen sei, dass in der Südstadt oft kleine Kartons mit Kleidung, Spielsachen u. ä. vor den Häusern stehen! Ihre Kinder finden das ganz toll, wollen immer gerne was mitnehmen, das führt oft zu Diskussionen („die 25. Lupe muss es ja nun nicht sein…“), was sehr anstrengend sein kann… Als sie das so erzählte, berichtete eine andere Kollegin, die in Linden wohnt, dass auch dort oft Sachen vor den Häusern zum Mitnehmen hingestellt werden. Sie selbst nutzt diese Möglichkeit auch gerne und stellt Dinge raus, die zu schade zum Wegschmeißen sind, aber nicht mehr benötigt werden. Auch in der Nordstadt gibt es Straßen, in denen das Rausstellen von Dingen, die zu verschenken sind, schon Tradition hat, erzählte mein Kollege.

Mir war das bis dahin noch gar nicht so aufgefallen, doch ich bin dann aufmerksamer durch die Stadt geradelt und tatsächlich: immer wieder stellen Menschen Dinge vor die Tür, die sie verschenken.

Was treibt die Menschen dazu? Wollen sie ihren Müll loswerden? In Zeiten von Corona ist es ja auch schwierig den ausgemisteten Kram zu entsorgen, da die Wertstoffhöfe nur z.T. und mit großen Einschränkungen geöffnet haben. Aber auch den Müll überhaupt zu entsorgen ist für manche Mitmenschen zu mühsam, sie schmeißen ihn einfach irgendwo hin.

Oder steckt mehr dahinter? Ist es vielleicht eine bewusste Handlung, weil unsere Gesellschaft inzwischen eine Wegwerfgesellschaft ist, Dinge produziert werden, die nach einer gewissen Zeit kaputtgehen. Dieser Wegwerfmentalität setzen Menschen vielleicht etwas entgegen durch das Verschenken von Dingen, die sie nicht mehr brauchen. Es wird sich ja auch die Mühe gemacht, „zu verschenken“ auf den Karton oder einen Zettel zu schreiben. Also tendiere ich ganz positiv gestimmt zu dieser These. Ich persönlich finde diese Idee ganz toll! Dinge, die ich nicht mehr brauche anderen zu schenken, die sich sehr darüber freuen und vielleicht schon lange danach gesucht haben. Aber auch mit geschärfteren Sinnen durch die Stadt zu gehen und vielleicht auch etwas zu finden, was ich gebrauchen kann. Das mindert doch erheblich den Müll und ich freue mich, dass ich jemand anderen eine Freude machen kann und mir selber auch.

Also, Augen auf und nicht so schnell Dinge entsorgen, sondern sie Mitmenschen schenken. Das werde ich mir vornehmen und umsetzen! Bin gespannt, was für Schätze ich finde und ob meine zu verschenkenden Sachen noch Abnehmer*innen finden.

Gd

Die neue Normalität

Diese Bezeichnung – finde ich – ist jetzt schon Kandidatin für das Unwort des Jahres 2020. Es macht jedoch deutlich, worauf wir uns einzustellen haben: nichts ist so wie vorher und wir müssen uns daran gewöhnen. Außerdem müssen wir uns daran gewöhnen, dass wir keine neuen Routinen auf Dauer entwickeln können, keine langfristigen Pläne machen, jede Woche neu entscheiden müssen. Diese immer wieder neuen Entscheidungen werden abhängig sein von den Entwicklungen der Infektionszahlen, von den Vorgaben aus der Politik und von unseren eigenen Einschätzungen.

Diese vielfältigen Bedingungen, unter denen wir uns nun wohnlich einrichten sollen, beeinflussen natürlich auch in großem Maße Selbsthilfegruppen. Noch ist unklar, wo genau der Selbsthilfebereich eingeordnet wird. Sollte die Politik entscheiden, dass dies der Freizeitbereich ist, so werden persönliche Treffen bis über den Sommer hinaus (in Gruppen in kleineren Räumlichkeiten) kaum möglich sein. Zur Zeit versucht die KIBIS gemeinsam mit überregionalen Akteuren der Selbsthilfeunterstützung darauf hinzuwirken, dass der Selbsthilfebereich als Säule des Gesundheitswesens gesondert bedacht wird. Jedoch würden auch dann hohe Auflagen für Gruppentreffen gemacht: Abstandsregeln, Namenslisten, Desinfektion, Belüftung…

Allein bei den Namenslisten setzt sich eine Gedankenspirale in Gang: Im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung ist viel über Namenslisten und die Speicherung von Kontaktdaten nachgedacht worden – nun sollen sie zur neuen Normalität gehören? Ganz abgesehen davon, dass dies in Gruppen, die sich nach dem Anonymenprinzip treffen, komplett gegen die Traditionen verstößt.

Die neue Normalität wird uns noch eine unabsehbar lange Weile begleiten. Ich befürchte, es wird nichts normal. Und trotzdem müssen wir jetzt alle kreativ werden und schauen, dass wir das Beste aus den Umständen machen. Was sind Ihre Fragen in dieser Situation? Haben Sie schon Ideen oder gar neue Routinen entwickelt? Oder war der Ausfall der Gruppen bisher noch auszuhalten? Wie gehen Sie mit den Perspektiven (oder deren Fehlen) um?

Nie

Home Office

Die Coronazeit führt dazu, dass alles ineinander verschwimmt – die Arbeitszeit (im Home-Office) für die KIBIS, das Lernen des großen und das Spielen des kleineren Kindes, der Online-Instrumentalunterricht des Mannes, das bisschen Haushalt und die Maßnahmen zur Erhaltung der eigenen Balance/Figur/Nerven. Wer hat einen Hut, unter den das alles passt?
Da stellt sich die Frage, was man machen kann, um die Situation besser auszuhalten. Die Medien berichten über stark erhöhten Alkoholkonsum, aber dass das keine Lösung ist, wissen wir ja eigentlich alle.
Wie wäre es also mit Selbsthilfe? Klar, der Austausch von Angesicht zu Angesicht geht gerade nicht, aber eine wöchentliche Videokonferenz mit einem Kreis anderer Menschen in ähnlicher Lage klingt doch ganz verlockend.
So treffe ich mich seit einigen Wochen immer sonntags, wenn die Kinder schlafen, mit einigen Freundinnen zu einer Videokonferenz. Wir kennen uns schon lange, es ist also nicht ganz wie eine Selbsthilfegruppe in der man anfangs niemanden kennt, aber wir haben mit Corona und dem daraus folgenden Shutdown alle ein neues gemeinsames „Problem“.
Wie hält man die Isolation aus, wie schafft man Strukturen für die „immer-zusammen-Familie“, wie  ist die Rollenverteilung in den Familien und wie geht es denen ohne Kinder? Wie viel (Erwerbs-)Arbeit schafft man zu Hause, wenn auch so mehr anfällt weil immer alle da sind? Wie ist es zu Corona-Zeiten schwanger zu sein? Und wie sehr lockern wir die Regeln inzwischen wieder?  Die Themen führen immer wieder auf Corona zurück, sogar der Beginn der Videokonferenz ist so gelegt, dass eine Freundin (zugegeben nur eine von uns regelmäßig) vorher noch klatschen kann.
Ich schaffe vielleicht (oder auch ganz sicher) gerade nicht ganz so viel im Home-Office wie sonst im Büro, aber ich mache quasi einen Selbstversuch zur Wirksamkeit von Selbsthilfe. Und ich bin überzeugt, denn wir fiebern immer alle hin auf unsere gemeinsame Stunde(n), egal welchen Alltag wir dann einen Moment verlassen, den mit zwei oder drei Kindern, allein oder mit Partner. Wir  haben ein Ohr füreinander und es ist trotz aller räumlicher Distanz ein Zusammensein.
Ich kann also nur dafür plädieren die Gruppen wenn möglich online stattfinden zu lassen – als  kleines Highlight im Corona-Alltag.
ho