Poetry Slam “Ich und Depression?”

Eine Veranstaltung in Corona-Zeiten durchzuführen ist eine große Herausforderung. Das Bündnis gegen Depression in der Region Hannover nahm sich dieser Herausforderung mit einer Veranstaltungsreihe an. In Kooperation mit „Macht Worte!“ und dem Sozialpsychiatrischen Verbund der Region Hannover haben wir einen Poetry Slam mit Hygienekonzept geplant und auf die Beine gestellt.

Unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln durfte der Slam im Saal des Haus der Region mit 50 Gästen stattfinden. Die Anmeldungen liefen per E-Mail über die KIBIS, da die begrenzen Plätze schnell ausgebucht waren, wurde eine Nachrückliste eingerichtet. Dank rechtzeitiger Absagen konnten von der Nachrück-Liste noch 3 Personen am Abend teilnehmen. Am Einlass erschienen dann, von den 50 vorangemeldeten, 47 Gäste. Das passte ideal, denn es kamen noch 3 weitere Gäste und wir mussten so niemanden nach Hause schicken. Somit konnte der Abend vollzählig beginnen.

Nach den Grußworten von Rita Hagemann und Uwe Blanke, dem stellvertretenden Koordinator des Bündnisses gegen Depression in der Rregion Hannover, begann der Abend unter der Moderation von Jan Egge Sedelies. Das Thema Depression wurde während des Abends in seinen verschiedenen Facetten dargestellt. Mit einer guten Mischung aus ehrlich ernsthaften Berichten und Humor gestaltete sich der Abend spannend und kurzweilig.

Uwe Blanke und Rita Hagemann begrüßen die Gäste des Poetry Slams

Beim Slam gingen insgesamt vier Poet*innen an den Start. In zwei spannenden Runden wurden Punkte und Applaus gesammelt, im anschließenden Finale traten dann Kersten Flenter aus Hannover und Tabea Farnbacher aus Bochum an. Per Publikumsentscheid ging Tabea Farnbacher als Siegerin hervor. Neben einem großen Applaus erhielt sie den KIBIS-Infokoffer!

Wer den Slam verpasst hat, kann sich über den unten stehenden Link die Veranstaltung ansehen. Allerdings empfiehlt es sich, die ersten 5 Minuten vorzuspulen, da es in dieser Zeit leider technische Probleme bei der Aufzeichnung gab. Das Video ist auf dem YouTube-Kanal des Paritätischen verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=-2YhANzjxWA

JK

Es ist viel los hier in der KIBIS

Neulich bei uns in der Teambesprechung wollten wir einen Termin für das erste Treffen der nächsten neuen Gruppe vereinbaren – und haben keinen gefunden!

Es scheint, als hätte sich viel aufgestaut bei den Initiator*innen und jetzt wollen alle loslegen. Viele Gruppen hatten auch schon einen ersten Termin im März vereinbart. Und dann ist die ganze schöne Energie in den Kontaktbeschränkungen stecken geblieben.

Wir freuen uns darüber, dass nach der langen Zeit nun so viele Themen in der Selbsthilfelandschaft Platz finden. Die Interessierten und Initiator*innen lassen sich von der Unsicherheit, wie und ob Treffen über den Winter möglich sein werden, nicht abschrecken.

So befinden sich Gruppen zu vielen Themen in der Gründungsphase: Kaufzwang, Einsamkeit mitten in der Stadt, Einsamkeit im Quartierstreff Wiesenau, Bipolare Störung, Psychose und Schizophrenie, Depression nach der Tagesklinik, Depressionsgruppe für Männer, Genetisch bedingte Lipoproteinproduktion, Mobbing und Bossing in Neustadt, Schuppenflechte in Neustadt, Vaginismus, Verlassene Eltern…

Bis Anfang Oktober finden sich in jeder Woche zwei bis vier Gruppentreffen, und da sind noch nicht die Gesamttreffen inbegriffen, die (allerdings per Video) auch themenbezogen stattfinden werden.

Wenn wir dann bei den Gründungstreffen dabei sein wollen oder die Treffen hier bei uns im Hof oder (bei kleineren Teilnahmezahlen) im Konferenzraum stattfinden, wird es langsam eng: mehr als eine Gruppe findet keinen Platz und viele andere (Abend-) Termine finden inzwischen auch wieder statt. So puzzeln wir in jeder Teambesprechung neu, damit die Startenergie auch genutzt werden kann.

Für uns wird damit deutlich, dass Selbsthilfe auf Pausetaste nicht funktioniert. Wir alle wissen es ja schon: Selbsthilfe in Gruppen ist hilfreich und sowohl persönlich als auch gesellschaftlich von großem Nutzen – aber diese Dringlichkeit, die im Moment zutage tritt, ist (mal wieder) beeindruckend.

Nie

Wie lebt es sich mit Corona?

Der Lockdown hat alle persönlichen Kontakte abrupt gebrochen, das war eine heftige Zeit!

Dabei habe ich es hier auf dem Dorf noch gut, kann in die Natur und in den Garten gehen. Wieviel schlimmer muss es für Menschen sein, die mit mehreren Kindern in einer kleinen Stadtwohnung wohnen und nicht mal eben zum Spielplatz gehen können?

Doch mich hat es auch getroffen, meine Depression hat Futter bekommen, dazu kam dann noch ein Menière-Anfall an Ostern, so dass es mir psychisch und körperlich richtig mies ging. Inzwischen habe ich mich wieder berappelt, bin eine Stehauffrau, auch wenn es mal zwei, drei Tage dauert, bis ich wieder fitter bin.

Ich denke dann immer an eine Fabel, die wir früher in der Schule gelesen haben über das Nicht-Aufgeben. Es handelt sich um zwei kleine Frösche, die in die Welt hinaushüpfen…… ich habe das in Gedichtform aufgeschrieben und in Zusammenhang von Durchhalten in einer Krankheit gesetzt. Das hilft mir immer weiter, wenn ich verzweifle.

Zwei Frösche (nach einer Fabel)

Es waren einst zwei Fröschelein,
die fielen in einen Eimer Milch hinein.
Der eine hatte keine Hoffnung mehr
und paddelte nicht mehr kreuz und quer.
Er gab sich auf und ging gleich unter — Der andere aber paddelte munter, bis unter seinen Füßen Butter entstand und hüpfte von dort dann auf den Rand, sprang hinab und hüpfte fort:
jetzt ist er wieder am Heimatort.

Haut dich die Krankheit auch wieder um,
gib nicht auf! Sei nicht so dumm
wie der erste Frosch, denn er ging unter.
Kämpf dich durch und bleibe munter!
So wirst du deinen Weg schon finden
und deine Kräfte sich verbinden.
Es findet sich alles zu seiner Zeit,
sei du nur zum Weitermachen bereit.
Deine Freunde wollen dich begleiten
und dir einen guten Weg bereiten.
Selber musst du ihn auch gehen.
Mit der Zeit wirst du dann sehen:
Es wird leichter, wenn man geht,
als wenn man aufgibt und nur steht!

Depression-Slam findet (wohl) statt!

Vor kurzem kam vom Bündnis gegen Depressionen der Aufruf für das Programm zur diesjährigen Antidepressionswoche einen Text zu verfassen. Wir sind also optimistisch, dass am 30. September die besten Poet*innen Deutschlands Texte zum Thema Depression (und alles was dazu gehört) lesen werden können. Und Sie können dabei sein, und den oder die Beste wählen!

Karten gibt es nicht im Vorverkauf – der Eintritt ist frei. Alles weitere später:

Lesung mit Tobi Katze 2018