Die neue Normalität

Diese Bezeichnung – finde ich – ist jetzt schon Kandidatin für das Unwort des Jahres 2020. Es macht jedoch deutlich, worauf wir uns einzustellen haben: nichts ist so wie vorher und wir müssen uns daran gewöhnen. Außerdem müssen wir uns daran gewöhnen, dass wir keine neuen Routinen auf Dauer entwickeln können, keine langfristigen Pläne machen, jede Woche neu entscheiden müssen. Diese immer wieder neuen Entscheidungen werden abhängig sein von den Entwicklungen der Infektionszahlen, von den Vorgaben aus der Politik und von unseren eigenen Einschätzungen.

Diese vielfältigen Bedingungen, unter denen wir uns nun wohnlich einrichten sollen, beeinflussen natürlich auch in großem Maße Selbsthilfegruppen. Noch ist unklar, wo genau der Selbsthilfebereich eingeordnet wird. Sollte die Politik entscheiden, dass dies der Freizeitbereich ist, so werden persönliche Treffen bis über den Sommer hinaus (in Gruppen in kleineren Räumlichkeiten) kaum möglich sein. Zur Zeit versucht die KIBIS gemeinsam mit überregionalen Akteuren der Selbsthilfeunterstützung darauf hinzuwirken, dass der Selbsthilfebereich als Säule des Gesundheitswesens gesondert bedacht wird. Jedoch würden auch dann hohe Auflagen für Gruppentreffen gemacht: Abstandsregeln, Namenslisten, Desinfektion, Belüftung…

Allein bei den Namenslisten setzt sich eine Gedankenspirale in Gang: Im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung ist viel über Namenslisten und die Speicherung von Kontaktdaten nachgedacht worden – nun sollen sie zur neuen Normalität gehören? Ganz abgesehen davon, dass dies in Gruppen, die sich nach dem Anonymenprinzip treffen, komplett gegen die Traditionen verstößt.

Die neue Normalität wird uns noch eine unabsehbar lange Weile begleiten. Ich befürchte, es wird nichts normal. Und trotzdem müssen wir jetzt alle kreativ werden und schauen, dass wir das Beste aus den Umständen machen. Was sind Ihre Fragen in dieser Situation? Haben Sie schon Ideen oder gar neue Routinen entwickelt? Oder war der Ausfall der Gruppen bisher noch auszuhalten? Wie gehen Sie mit den Perspektiven (oder deren Fehlen) um?

Nie